3 Oktober 2015 - 20:02
Behörden hatten Wege versperrt

Bei der Massenpanik während des Rituals der Teufelssteinigung waren am Donnerstag nach saudischen Quellen mindestens 717 Menschen getötet und 805 verletzt worden.

Bei der Massenpanik während des Rituals der Teufelssteinigung waren am Donnerstag mindestens 717 Menschen getötet und 805 verletzt worden. Hunderttausende Gläubige hatten sich in Mina in der Nähe von Mekka versammelt, um an diesem Großereignis kurz vor dem Ende der muslimischen Pilgerfahrt Hadsch teilzunehmen. Dabei war eine Menschenmenge, die den Ort der Teufelssteinigung verlassen wollte, offenbar auf eine andere Menge aus der Gegenrichtung getroffen, was zu einer Massenpanik führte.Bis jetzt wurden mehr als 4000 Menschen Leichnahmen aufgezählt. Bilder zeigten, wie die Opfer im weißen Pilgergewand auf Liegen versorgt und weggetragen wurden. Auf einem Amateurvideo waren Leichen zu sehen, die auf der Erde lagen. Zur großen Zahl an Todesopfern habe zudem die große Hitze mit rund 46 Grad Celsius am Donnerstag beigetragen. Nach der tödlichen Massenpanik bei der muslimischen Pilgerfahrt Hadsch in Saudi-Arabien haben Überlebende Vorwürfe gegen die Behörden erhoben. „Es gab nicht genügend Raum, um sich zu bewegen“, schilderte der nigerianische Pilger Aminu Abubakar am Freitag. Er selbst überlebte, weil er an der Spitze der Prozession in Mina nahe Mekka gelaufen war.

Der Libyer Ahmed Abu Bakr berichtete, die Polizei habe vor der Massenpanik, bei der am Donnerstagmorgen mindestens 717 Pilger getötet wurden, alle Zuwege zum Zeltlager der Pilger bis auf einen geschlossen. Zudem hätten die zur Absicherung der Pilgerfahrt eingesetzten Polizisten einen überforderten Eindruck gemacht: „Sie kannten sich in der Gegend überhaupt nicht aus.“

Irfan al-Alawi von der Stiftung zur Erforschung des islamischen Erbes in Mekka kritisierte, die Polizisten seien nicht ausreichend vorbereitet und hätten keinerlei Sprachkenntnisse, um mit denen aus aller Welt kommenden hunderttausenden Pilgern zu kommunizieren. „Sie haben keine Ahnung, wie sie mit den Leuten umgehen sollen“, sagte al-Alawi. „Die Menschenmenge wird nicht gesteuert.“

Zu dem Massengedränge war es während der symbolischen Teufelssteinigung in Mina gekommen, bei der Pilger Kieselsteine auf drei Säulen werfen, die den Teufel symbolisieren. Die saudische Zivilverteidigung erklärte, am Donnerstagmorgen sei es an einer Kreuzung in Mina zu einem Stau gekommen. Dann sei die Massenpanik ausgebrochen.

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